Der Begriff der Verkehrsmittelwahl beschreibt, welches Verkehrsmittel für einen bestimmten Weg genutzt wird. Nicht jeder hat immer eine echte Wahlmöglichkeit des Verkehrsmittels. So können z. B. unter 18-Jährige noch nicht selbstständig das Auto benutzen. Bewohner ländlicher Gebiete sind häufiger auf ein Auto angewiesen als Bewohner größerer Städte. Interessant wird die Situation immer dann, wenn alternativ unterschiedliche Verkehrsmittel genutzt werden können.
Die Verkehrsmittelwahl beruht nicht nur auf rein rationalen Überlegungen: Mit welchem Verkehrsmittel fahre ich am schnellsten? oder: Welches Verkehrsmittel ist kostengünstiger? Die Wahl der Verkehrsmittel für einen konkreten Zweck ist auch auf subjektive Einstellungen und Gewohnheiten, gute oder schlechte Erfahrungen, Bequemlichkeit, Wissensdefizite und ähnliche Gründe zurückzuführen. Wer in seiner Jugend wenig mit dem (ÖPNV) gefahren ist, wird es wohl auch im Erwachsenenalter kaum tun. Wer in seiner Jugend Spaß am Fahrradfahren hatte, wird auch als Erwachsener oft mit dem Rad fahren. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Verkehrsmittelwahl einer Person zudem stark von den Wertvorstellungen und dem Verhalten von Bezugspersonen, die für sie sehr wichtig sind, geprägt wird.
Innerhalb unserer Gesellschaft nimmt das Automobil eine besondere Stellung ein. Es eröffnet eine Welt voller Faszination und Symbolik, der sich nur wenige entziehen können. Als Statusobjekt verkörpert es die Identität des Besitzers. Autos ermöglichen Gefühle, die der Alltag oftmals verwehrt: Stolz, Größe, Unabhängigkeit, Individualität. Die immer stärkere Ausprägung dieser „Individualität“ und die heute damit einhergehende verstärkte Nutzung des eigenen PKWs stellen uns vor gravierende Probleme, welche weit über die reinen Umweltwirkungen hinausgehen.
Vor einigen Jahren wurde eine große Untersuchung über die Mobilität und die Verkehrsmittelwahl der Hamburger und der Umlandbewohner durchgeführt. Ein wichtiges Ergebnis dieser Studie ist, dass der PKW – rechnet man alle Wege ein – am häufigsten genutzt wird. Bei Wegen in die Innenstadt Hamburgs hingegen ist der Anteil der Leute, die mit dem ÖPNV fahren, wesentlich höher als der Anteil der Autofahrer.
Quellenhinweis: Die Grafiken zeigen die Verkehrsmittelwahl in mehreren deutschen Großstädten (aus: Klimabündnis / UBA; 2009); bzw. in Deutschland (Grafik 3/4: Mobilität in Deutschland; 2008)
"MOBILITÄT IN DEUTSCHLAND" (MiD) 2008
"MOBILITÄT IN DEUTSCHLAND" ist eine kontinuierliche Verkehrserhebung, die repräsentative Aussagen zum Alltagsverkehr der Bevölkerung unter Berücksichtigung von Personen- und Haushaltsparametern ermöglicht. Seit 1976 werden in größeren Zeitabständen derartige Untersuchungen über unser Verkehrsverhalten durchgeführt, das letzte Mal 2002 und 2008.
Dazu wurden bundesweit über ein Jahr lang mehr als 25.000 zufällig ausgewählte Haushalte zu ihrem Verkehrsverhalten an einem vorgegebenen Stichtag befragt. Hinzu kamen regionale Befragungen, wie etwa 3.500 Haushaltsinterviews in Hamburg. Insgesamt wurden damit im Verlauf des Jahres 2008/2009 etwa 50.000 Haushalte und über 100.000 Personen befragt. Die jüngsten Daten belegen 5 zentrale Trends:
das Auto wird immer häufiger benutzt, öffentliche Verkehrsmittel stagnieren, Fußverkehr leicht rückläufig
der Freizeitverkehr wächst stetig (32% aller Wege dienen Freizeitaktivitäten)
Mobilität kostet immer mehr Zeit (durchschnittlich 90 Min. pro Tag und Bürger)
immer weitere Strecken werden zurückgelegt (40 km pro Tag pro Bürger)
Wegzwecke: Freizeit: 32%, Arbeit und Ausbildung 25%, Einkauf 24%, Bring-/ Holdienste (z.B. Mütter fahren Kinder zur Schule u. Sport): 8%, Erledigungen: 11%.
Verkehrsmittel: Auto: über 46%, per Fuß: 26%, Fahrrad: 13%; Bus/Bahn: 14%; Motorisiertes Zweirad: unter 1%. Die Hälfte der PKW-Fahrten entfällt dabei auf Distanzen, die auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden könnten. Bei Wegen bis zu 1km Länge wird in 10% aller Fälle das Auto genutzt, bei Wegen bis zu 5 km in 50% der Fälle. (Daten aus: Mobilität in Deutschland, 2008)
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